Sechsämterland Classic 2007

Prolog:

Das Oldtimer-Fieber ist extrem ansteckend. Zu Risiken und Nebenwirkungen gibt es keine Packungsbeilage; es hilft Ihnen weder Ihr Arzt noch Ihr Apotheker. Wenden Sie sich besser an den Altmetallhändler Ihres Vertrauens.

Alle Jahre wieder…    aber diesmal erfrischend anders!

Während wir im vergangenen Winter an seinem Opel GT schraubten, fragte mich mein Kumpel Bernd: „Wollen wir zusammen die Sechsämterland-Classic fahren? Mein bisheriger Co hat von seinem Chef keine Startfreigabe bekommen.“ Die aufwändigste Oldtimer-Rallye Wunsiedels zu fahren, finde ich natürlich interessant und so sagte ich ohne langes Überlegen zu. Als Ende April der GT fertig zusammen geschraubt war, gaben wir unsere Nennung ab und die Sache nahm ihren Lauf…

Am Freitag, 22. Juni, geht es zunächst zur technischen Abnahme. Null Problemo. Dann werden die ersten alten Bekanntschaften wieder belebt und neue geknüpft – Benzingespräche allerorten! Jetzt geht’s mit dem Auto in die Jean-Paul-Straße. Dort fallen schon die ersten Spezialisten unter den Zuschauern über uns her: „So einen wollte ich auch mal…“ – „Was verbraucht denn der?“ Weiß ich nicht, ist nicht mein Auto. Und dann die totale NoGo-Frage: „Was kost’n der?“ Grrrrrrrrrr!

Wir flüchten zur Dokumenten-Abnahme. Fahrzeugschein, Führerschein (wenn Bernd keinen Führerschein hat, wer dann?), Green Card, Reisepass. Fertig.

Endlich kriegen wir unsere Fahrtunterlagen und stürzen uns auf die Buletten – oder wie die Dinger heißen. Naja, da steht jedenfalls drin, was der Veranstalter bisher in den Fahrtunterlagen verbockt hat und was wir jetzt in mühevoller Kleinarbeit nachtragen dürfen.

Die Kopien mit den Orientierungsetappen werden gleich mal auf versteckte Gemeinheiten abgeklopft. Dann vertreiben wir uns die restliche Zeit damit, das Starterfeld abzuschreiten und die Konkurrenten in Augenschein zu nehmen.

Boa, ein Stratos! So einen wollte ich auch mal…
An der Startrampe kämpft derweil Günter mit den Tücken des Mikrophons. Als die verflixte Technik endlich klein beigibt, lässt er in gewohnt schnoddriger Weise seine Ansagen vom Stapel. Das haben wir jetzt ein Jahr lang vermisst!

Unsere Startzeit rückt näher und wir reihen uns vorsichtig unserer Startnummer entsprechend ein. Hoffentlich fährt uns in dem Gewühl aus Teilnehmerfahrzeugen, Kinderwagen und Mountain-Bikes keiner an unser heilig’s Blechle. Jetzt wo er neu lackiert ist: Antigua-metallic, Jaguar-Nr. 840.

Rauf auf die Rampe – die Kühlwassertemperatur steigt parallel zu meinem Blutdruck.
Start frei, Rampe runter, und ab.

Durch die Sechsämterland-Dörfer geht es volley in die erste Orientierung. Hier sorgt gleich mal eine stumme Kontrolle vor Friedhelm’s Behausung für Trouble und spätere Endlos-Debatten. Wir halten das „Ä“ für eine Negativ-Kontrolle und fahren die OE zu Ende, in dem stolzen Bewusstsein, die erste Hürde geschafft zu haben. Wir werden dann später eines Besseren belehrt werden!

Weiter zur ersten Sollzeit-Prüfung. Großer Waldstein. Die Strecke kennen wir aus dem FF, stimmen uns noch kurz ab, wer wo wann auf die Uhr drückt und los geht’s. An der ersten Zwischenzeit hakt es noch ein bissi, aber bis ins Ziel spielt sich das schon ein. Dann geht es weiter nach Hof zu Friedhelm’s neuem Toyota-Palast. Zwei Runden um die Werkstatt auf Sollzeit und wieder zurück Richtung Sechsämterland. Bei der OE rund um den Förmitz-Stausee wird es schon duster: Flexi-Light in die Steckdose gefummelt und es ward Licht. Bei so viel Lux im Auto kann man gar nicht übersehen, dass sich in einem Parkplatz eine geschickt platzierte „Stumme“ versteckt. Da glauben doch tatsächlich unsere „Nachfahren“, wir fahren dort zum Pinkeln rein! Später scheinen ihnen doch Zweifel zu kommen, denn der Gegenverkehr nimmt dramatisch zu.

Letzte Prüfung für heute, inzwischen ist es stockfinster: Benker Berg. An der Zwischenzeit etwa zwei Sekunden liegen gelassen, passt scho. Beim Ziel gewaltig verpeilt: acht Sekunden. Bernd ärgert sich über sich selber und düst mit Wut im Bauch zurück Richtung Wunsiedel. Der Benker Berg wird später neutralisiert. Glück gehabt!

Um 22.30 rollen wir über die Zielrampe, durchstarten und in die Koje. Es dauert lange, bis ich endlich einschlafen kann.

Am Samstag lockt uns zuerst noch die Sonne an den Start, doch als wir über die Rampe gehen, ist auch Petrus mit der Gießkanne zur Stelle. Es gibt ja drei Sorten von Oldtimer-Fahrern: die erste Sorte hat ein Dach über dem Kopf. Die zweite Sorte hat ein Cabrio (Roadster oder was weiß ich) und macht bei Regen das Dach zu. Die dritte Fraktion, die Gusseisernen, die fahren auch bei Regen mit offener Plane oder haben gar kein Verdeck dabei. Vor denen hab ich den größten Respekt. So viel Vitamin C gibt es überhaupt nicht, um ohne Schnupfen ins Ziel zu kommen. Und doch gibt es genug von der dritten Sorte. Ich glaub, die würden auch noch unter Wasser fahren.

Jedenfalls führt uns der zweite Tag auf kürzestem Wege in die „Pfalz“. Die erste OE zum Warmwerden rollen wir locker flockig ab. Anscheinend etwas zu locker flockig. Die anderen haben in ihren Bordkarten ein „T“, wir nicht. Wahrscheinlich wieder gequatscht, oder an irgendwelchen Knöpfen rumgefummelt oder ZK-Zeit berechnet; jedenfalls haben wir die Stumme nirgends gesehen. Künstlerpech.

Sollzeit-Prüfung Friedenfelser Berg. Downhill. Zwischenzeit in der Frauenreuther Kurve, Ziel am Ortseingang von Friedenfels, alles klar. Denkste! Die Zwischenzeit steht zwar in der Frauenreuther Kurve, aber nicht auf der Teerstraße, sondern in einem unbefestigten Parallelweg. Bis wir das geschnallt haben, sind wir schon am Abzweig vorbei. Rückwärtsgang reingezimmert, zurück gejault, rein in den Modder. Dabei einem Streckenposten (Hände in den Hosentaschen!) fast die Füße abgefahren. Dem Team an der Lichtschranke die volle Dröhnung aus der Schlammpfütze verpasst – alles umsonst. Max-Zeit. Scheibenkleister! Aber wir haben erst die halbe Miete. Auf dem Weg zum Ziel steht unser Freund Martin. Er hat in seiner Eigenschaft als Zuschauer seinen 911er in die Leitplanke gepresst. Jetzt bloß nicht nachdenken. Noch 1:30 bis zum Ziel. Das steht diesmal wirklich auf der Straße und nicht daneben.

Jetzt klappt’s auch mit der Sollzeit.

Durch die Dörfer der nördlichen Oberpfalz, vorbei an schwanzwedelnden Kühen und dampfenden Misthaufen (ist die Zuluft geschlossen?) geht es weiter Richtung Marktredwitz. Zwischendurch schüttet es wie aus Kübeln. Der GT teilt die Fluten. Bis wir vor der Zeitkontrolle beim TÜV stehen ist es wieder einigermaßen trocken. Von oben. Unsere Gusseisernen wringen Tücher aus und legen ihre Fußräume trocken. Beim Warten auf die ZK-Zeit fallen uns zwei Girlies auf, die auf einem Mauervorsprung sitzen und betont cool die Grufties beäugen, die da mit ihren alten Kisten irgend so eine Rallye fahren. Als wir an ihnen vorbeirollen, kann man es von den Lippen ablesen: zwischen zwei Kaugummi-Umwälzungen ringt sich eine der beiden ein „ey geil“ ab. Nie werde ich erfahren, ob sie unser Auto oder den Beifahrer meinte.

Sollzeit-Prüfung auf dem TÜV-Gelände. Nicht schlecht gelaufen. Zufrieden rollen wir weiter, unser GT brabbelt mit dem Auspuff. Wenn’s nicht regnet, macht’s richtig Spaß. An einer Kreuzung kommt uns plötzlich einer der „Favoriten“ aus der falschen Richtung entgegen: Bulletin nicht gelesen, Fahrtunterlagen nicht berichtigt. Die kleinen Sünden bestraft der liebe Gott sofort! Grins!

Bis wir nach Sinatengrün zum ersten Teil der Gleichmäßigkeits-Prüfung kommen, regnet es wieder schön gleichmäßig. Dem Starter läuft die Brühe bereits in die Schuhe. Ich ziehe gedanklich meinen Hut vor all den Helfern, die sich bei jedem Sauwetter draußen hinstellen und uns erst solche Fahrten möglich machen. An dieser Stelle ein dickes DANKE an alle Funktionäre.

Im ersten Durchgang dieser GLP setzen wir uns also selbst jene Zeit, die wir im zweiten Durchgang (aber dann in Gegenrichtung) möglichst auf die Hunderstelsekunde treffen müssen. 2.00.13 min. Notieren! Und zwar so, dass wir es nachher wieder finden.

„Langsam krieg ich Hunger. Wie weit ist es bis zur Mittagspause.“ Beifahrer kennen diese Fragen ihres Chauffeurs und ich hab die richtige Antwort parat: „Mittagessen gibt’s in Selb. Aber vorher ist noch die Schlauchprüfung.“ Warum denke ich bei diesem Wort immer an die Feuerwehr?  

Auf herrlichen Nebenstrecken geht’s Richtung Selb. Die Wolken zeigen erste Lücken, die Sonne kommt raus. Oldtimer-Rallye fahren macht Spaß!

In der Fußgängerzone in Selb herrscht Mille-Miglia-Feeling. Ganz Mutige (oder ganz Neugierige) sitzen vor den Straßen-Cafes, um die alten Kisten hautnah zu erleben.

Achtung, Leute: kaum eines dieser Geräte hat einen Kat. Schadstoffe pur. Von der CO-2 Belastung wollen wir in diesem Zusammenhang gar nicht reden. Und trotzdem sitzen sie lächelnd keine zwei Meter von den Autos entfernt, während wegen all der Schadstoffe, die wir produzieren, vermutlich die Milch auf den Tischen sauer wird.
Zurück zum Sport: Schlauchprüfung haut ganz gut hin, vielleicht eine Eins-Komma…
Wir sind zufrieden – und endlich geht’s zur Krippe.

Wegen der unsicheren Wetterlage hat der Wirt vom Factory In die Sitzplätze im Freien abgebaut. Wir werden zum Essen in eine ehemalige Porzellan-Massemühle umgeleitet. Ich finde das Ambiente rustikal bis urig. Feinere Gemüter mokieren sich über die Industrie-Keller-Atmosphäre. Die Geschmäcker sind halt verschieden. Keine Diskussion gibt es über die Qualität des Essens. Jedenfalls ist es mir so lieber, als wenn ich in einer super Umgebung einen Fraß letzter Güte verschlingen müsste.

Mittagspause Ausfahrt: „Zeit läuft – gib Gas!

Nach dem Essen haben wir uns mal die OE bei Großwendern verinnerlicht. Die ist ganz easy, fahren wir quasi mit einer Hand in der Hosentasche. Bei anderen läuft es anscheinend nicht so gut: In ganz Großwendern stehen alte Autos verteilt, in denen Beifahrer die Köpfe in Landkarten versenken, oder in denen heiße Debatten zwischen Fahrer und Beifahrer stattfinden. Heimvorteil! In solchen Momenten wünsche ich mir einen alten Rolls-Royce, um huldvoll winkend an den Konkurrenten vorbei zu flüstern.

Aber wir wollen mal nicht zu früh spotten. Die Fahrt ist noch lang.

Nun aber weiter; in Weißenstadt wartet schon die nächste Sollzeit-Prüfung: zwei Runden um den Brunnen auf dem Marktplatz. Und hier schlägt die Stunde unseres Oldtimer-Pfarrers Hans-Hermann Münch. Die Prüfung ist direkt vor seiner Kirche aufgebaut und während er die Prüfung absolviert, läuten die Glocken. Zustände wie in Maranello. Wenn das kein Heimspiel ist! Der Hans-Hermann hat sich erst kürzlich sein heutiges Wettbewerbs-Auto zugelegt: einen Diplomat B. Er ist über dreißig Jahre alt (ja, auch der Diplo!). Ich lese jede Messe: der hat sich das Auto nur gekauft, um bei der Sechsämterland-Classic dabei zu sein. Seine anderen Opelz sind nämlich alle noch zu jung.

Bevor es zum zweiten Teil der Gleichmäßigkeitsprüfung nach Bernstein zurück geht, ist noch eine Orientierungs-Etappe bei Woltersgrün angesagt. Heimisches Geläuf – kaum Probleme. Wir werden übermütig und suchen im Zickzack das ganze Dorf nach etwaigen stummen Kontrollen ab, was unsere Hintermänner schier zur Verzweiflung bringt. Am Ende der OE läuten plötzlich sämtliche Alarmglocken: „Wir haben nur noch zwei Minuten bis zur ZK in Bernstein!!!!!“ Verflixt – wer hat denn diesen Schnitt berechnet. Oder haben wir in Woltersgrün so viel Zeit vertrödelt?
Egal! Der Bernd lässt es krachen.

Ich halte mich nur sehr selten fest, aber diesmal muss ich wieder mal den „Oma-Griff“ bemühen. Bei der „Über Kuppe links fünf“ kurz vor Bernstein kann ich nur noch ein

„Nur Fliegen ist schöner“ durch die Zähne pressen, dann rauscht auch schon das Ortsschild an uns vorbei. Anker werfen! Mit rauchenden Bremsen quietschen wir uns vor die ZK, ich springe aus dem Auto, hau den Stempel rein – auf die Minute genau. Never change a winning team!

GLP zweiter Teil von Bernstein nach Sinatengrün: Unser Triple-Timer piept exakt am Ortsschild von Sinatengrün. Muss eine Superzeit sein! Schade dass auch diese Prüfung nachträglich neutralisiert werden muss. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir es nochmal so richtig fliegen lassen, es ging grad so schön.

Damit ist der „Arbeits-Teil“ dieser Veranstaltung erledigt. Der Rest ist mehr oder weniger gemütliches Gondeln durch unsere Heimat sowie durch die Tschechische Republik.

Über eine Sonderspur am Grenzübergang Schirnding geht es in das benachbarte Ausland. Durch das tschechische Hinterland, immer schön über die Dörfer, gelangen wir zu Fürst Metternich’s Residenz nahe Lazne Kynzvart. Wir lassen den Kasten rechts liegen und stürzen uns kurz hinter Lazne Kynzvart in eine traumhafte, ca. 20 Kilometer lange Strecke durch den Kaiserwald: Kurve an Kurve, bergauf-bergab, schmal, unübersichtlich. Hier kannst du dich schwindelig fahren. Und dann sind da auch noch zufällig genau die Richtigen beisammen: voraus Klaus Döbereiner in seinem Alfa, gefolgt von uns im GT, dahinter Mathias Fürst im 02er BMW und zum Schluss des Quartetts Detlef Bayer mit seinem Berg-Fiat 128.

Let the good times roll !

Das fröhliche Heizen über die engen, kurvenreichen Straßen sollte uns später gründlich vergehen.

Mathematikaufgabe:

„Die Orte A und B sind 100 Kilometer voneinander entfernt. In beiden Orten startet gleichzeitig je ein Auto. Eines fährt gleichmäßig mit 100 km/h, das andere mit 80 km/h. Wo treffen sich die beiden Autos?“

Mittlerweile kenne ich die Lösung dieser Aufgabe auch ohne Hilfe eines Taschenrechners:

Die beiden Autos treffen sich in einer unübersichtlichen Linkskurve zwischen Kacerov und Hartousov, Kreis Sokolov/Tschechische Republik.

Wir kommen nur Sekunden nach dem großen Knall an die Unfallstelle. Ein Fiesta (oder was von ihm übrig ist) hängt in der Böschung. Ein Passat, der aussieht wie nach einem Crashtest mit 40 % Überdeckung steht quer zur Fahrbahn. Bernd, der kein Blut sehen kann, nähert sich dem ganzen Szenario sehr vorsichtig: kotzen oder nicht, das ist hier die Frage. Aber hier muss eine Armee von Schutzengeln unterwegs gewesen sein: die Unfallbeteiligten laufen sichtlich unter Schock aber äußerlich unverletzt auf der Straße umher.

Ich telefoniert mit dem tschechischen Notdienst, mit der Polizei und mit unserer Fahrtleitung. Claudia setzt die Unfallopfer auf eine Decke und kümmert sich um sie. Als die tschechischen Helfer vor Ort sind, beraten wir über unsere Weiterfahrt. Ohne Landkarte im tschechischen Outback, die Route der Veranstaltung unpassierbar – das war schon immer mein Traum. Zum Glück funktioniert hier das Navi-Handy von Klaus. Das lotst uns zurück auf bekanntes Terrain. Zwar mit einem deftigen Umweg über Sokolov, aber immerhin.

Bedingt durch den Umweg macht sich inzwischen im Tank des GT die Energiekrise breit: die Nadel der Tankanzeige klebt im roten Bereich.

An der ZK in Franzensbad herrscht dann ein mittelschweres Chaos. Erst kommt eine halbe Stunde lang gar kein Auto und jetzt kommen plötzlich 25 auf ein Mal. Und alle wollen sofortestens stempeln. Zu unserem Glück geht die Stempeluhr kernig nach, wir liegen also noch in der strafpunktfreien Karenz. Kontrollstellen waren auf der Idealstrecke auch keine. Also ist mit unserer Ankunft an ZK 11a wieder alles im Lot.
Die Kaffeepause im pompösen Saal des Casino Ingo in Franzensbad verläuft bei gedrückter Stimmung. Alle haben noch die Bilder des Unfalls im Kopf. Keiner hat Lust auf den üblichen Blödschnack. Wir sind froh, als es wieder weiter geht.

Bei Sonnenschein fahren wir eine landschaftlich schöne Schleife rund um Franzensbad und kurz vor der Grenze zu Deutschland gibt es auch endlich auch eine Tankstelle. Mit einem feuchten Fleck im Tank erreichen wir die Esso-Station. 50 Liter Super Plus zum ALDI-Tarif, dann hat uns die Heimat wieder.

„Willkommen in Deutschland. Welcome to Germany. Bonjour tristesse.“ So ähnlich steht es jedenfalls auf den Schildern beim Grenzübergang. Mit vollem Tank ist gut Gas geben und so eilen wir mit den erlaubten 100 km/h dem Ziel entgegen.
In den früheren Jahren standen an der Zielrampe mehr Zuschauer. Es wird wohl an dem unsicheren Wetter liegen. Hastig stürzen wir das angebotene Glas O-Saft hinunter, dann stellen wir unseren braven GT im parc élégance ab. So elegant sehen die Autos momentan gar nicht aus. Man sieht ihnen an, dass sie während der letzten beiden Tage arbeiten mussten. Der Regen und die zu passierenden Baustellen haben ihre Spuren hinterlassen. In den Cockpits liegen Bordbücher, Kartenbretter, Schnitttabellen. Ich bin sicher: morgen werden knapp 100 Oldtimerbesitzer ihr Auto waschen, aufräumen und Staub saugen.

Die Siegerehrung erlebt, wie erwartet, eine launige Rede von Günter Bossner. Er wird von Jahr zu Jahr besser. Für uns hat es diesmal nur zu einem Platz im Mittelfeld gereicht.

Was soll’s! Wir hatten unseren Spaß.

Unser Freund Claus Wagner (Renault-Alpine A110, so einen wollte ich auch mal) hat es in einem einzigen Satz ausgedrückt: „Nirgends bist du so weit weg vom Alltag mit deinem Ärger wie bei einer Oldtimer-Rallye.“ Dem gibt’s nichts hinzuzufügen.